Hier ein paar Verse,
u.a. aus dem Büchlein „Potenzsteigernd - im Zweifelsfall für die Gräte." (Claus Verlag)

 

Verdammt

Ich wünsch mir eine Mords-Figur,
`nen Waschbrettbauch und grade Beene.
Schneeweißlächeln und Stahlblaublick.
Kann ich vergessen – mit Vaters Gene.
Geben ist seliger denn nehmen

Rucksack-Fahrrad, Vollbart, Kunstsandalen
Extremdebattig ungestüm.
Man sah, man musste nicht mal fragen,
Politbestimmung dunkelgrün.

Er wusch nie mit Chemie sich ab.
Grüßte Windradarmeen auf sanften Höhn.
Freizeithobby Emmissionswerttabellen,
ständig sah man Tee nur stehn.

Er stand mit Hahnschrei (Wecker) auf.
Die Sonne hat noch nicht geschienen.
Trank Leitungswasser, biss ins Selbstbackbrot.
Dir du Natur, dir will ich dienen.

Doch diese schiens zu merken nicht.
Ihr machts wohl niemand jemals recht.
Sie danktihm mit Fahrradarthrose-Knien
und einem Faltengesicht – da wird's dir schlecht.
Der Sprintathlet

Festmuskelgetrieben weit voraus
Herzmotorleistung unendlich Watt
Beschleunigt, beschleunigt mit Glasigaugen
Mitbewerber sind lange platt.
Keiner kann folgen, keiner mehr da.
Nur seine Liebste, die Anna -
die Annabolika.
Gott hilf!

Schwarzholztüren so edelbar,
Hochfensterkathedralen mit Goldaltar,
großrubinbesetzte Christuskreuze,
hellebardentragende Aufpasskäuze.
Nach protegierten Sprüngen über Karrierehürden,
thronen glitzerweißmajestätische Ehrenwürden,
berechnen Aktientantiemen und Goldstaubspesen
im Dialog mit heiligem Bankenwesen.
Rotseidenhandschuhe mit Diamantglanzsteg,
weisen aus Nobelkarossen den Weg.
Gespenstisch in des Schmutzdachs Gaube,
harren abgehärmtrippig mit negrider Haut
reiskornunterernährt, die traurigen Brüder
Hoffnung und Glaube.
Tag für Tag

Wohligräckelndes Augenaufschlagen,
Vogelzwitschersonnenschein,
Ausgeschlafenoptimismus
barfuß gleich ins Bad hinein.
Kaffeeduftstimmungsnebel lockt
als Nasenwegweiser direkt in die Küche
Eigelblächeln und Waldfruchtserenade,
sehen, schmecken, Wohlgerüche.

Doch aufgepasst !
Neben dem Tischlein steht schon am Morgen
der Alltagsangst-Gespenstermann.
Mit nachtschwarzer Farbe malt er Finsterbilder,
will er an deine Seele ran.

Spuck ihn an, den üblen Burschen,
diesen Tagfrohmördergeist.
Sag, du musst nicht auf ihn hören,
weil er nicht mehr weiß, als du selber weißt.
Schmier ihn ein mit Konfitüre,
wirf ihm das Ei`chen an den Kopf.
Dreh Gewehrkugeln aus Frischteigbrötchen.
Proste ihm zu mit deinem Kaffeetopf.

Springe auf, ruf: "Tag, ich komme!
Wie du bist, so nehm` ich dich!"
Wie sonst anders geht das Leben,
dass eine Reihe aller Tage ist.
Gebet

Lieber Gott verrats mir schon.
Gibt's nun die Reinkarnation?
Jesus hats den Seinen damals fest versprochen,
aber nun hat die Wissenschaft dran gerochen.
Gehört die eigentlich auch zu dir?
Reinkarnieren Mensch und Tier?
Ich hab jetzt Zukunftsangst,
fühl mich beschissen.
Bitte lass nicht auferstehen meinen Hund!
Er hat mich grad gebissen.
Wörtlich genommen

Ein ziemlich arroganter Satz, ganz kühn,
hat wieder mal ein Wort beleidigt.
Es wär so sinn- und nutzlos ohne ihn,
worauf es sich zu Recht verteidigt.
Der Satz er hieß " Ich habe niemals Angst."
Das Wort hieß " niemals", stand auf und ging.
Ich bleibe weg, weil dus nicht dankst.
Worauf er an zu zittern fing.
Evolutionäres

Raubtiere jene Tiere heißen,
mit Zähnen, die anderen tot zu beißen.
Pflanzenfresser, die keine Raubtiere sind,
werden gefressen oder sie sind sehr geschwind,
Müssen sich dazu noch stressen
mit der Angst, man könne sie beim Fressen fressen.
Gott hat den Tieren nur diese Wahl geboten,
um sich den Ranzen voll zu schroten.
Hat aber gegen Massenmord ne Sicherung eingebaut
-die Zeit, in der ein Tier verdaut.
Denn Tieren, die nach Beutegut verlangen,
ist, sind sie satt , die Bissigkeit erst mal vergangen.
Fressen und gefressen werden
ist ja wohl der Lauf auf Erden.
Aber der Gipfel irdischer Räubergier
ist wohl der Mensch das Räubertier.
Weil Gott vorhersah Karies- und Kunstgebiss
mit dem wohl niemand andres Leben riss,
schenkte er den Menschen Waffen,
unterschied sie urgeschichtlich früh vom Affen.
Mit Keule, Schleuder,Bogen, Speer,
fiel man hungrig über die verdutzte Tierwelt her.
Doch der Mensch hat, wohl evolutionsbedingt, vergessen,
Ziel der Waffen war das Fressen.
Heut aber wendet er Waffen an,
mit denen er zerstörend tötet, was niemals Jemand fressen kann.
Lieber Gott, bring die Verbrecher doch in Nöten.
Zwing sie aufzufressen, was sie zerstören bzw. damit töten.
Mann &" Frau

Seit 18 Jahren im Ehebett, er rechts, sie links im Schnarchduett
Aber heute ist Vollmond:
Bei Vollsilbermond, das weiß jedes Kind
weht im Nachtschlafereich ein anderer Wind
Halb irre schon von Halbschlaf-phantasien
wälzt sich die Ehefrau her und hin.
Das Laken geknüllt in die Bettmittelrinne
und ständig den Aufstehwecker im Sinne
dreht sie sich aufstützend zu ihrem Mann
und spricht ihn an:

Wenn früher als Kind ich so leiden musste,
wenn ich schon gar keinen Rat mehr wusste
nahm meine Mutter mich in den Arm,
liebkoste mich und hielt mich warm.
Nachdem sie` s nun fordernd zum dritten Mal sagte,
nachdem er sich knurrend aus dem Tiefschlaf plagte,
wirft er sich umseits und lallt – so ein Guter,
Du denkst doch nicht ernsthaft,
ich hol jetzt nachts deine Mutter?
Bettgeschichte

Halbwach erst, feminin gestreckt,
enthülltbekleidet, unzugedeckt.
Grazil sich räckelnd, total entspannt.
Jetzt will er zu ihr, berührt ihre Hand.
Zungeliebkosend am Hals hoch zum Kinn,
nun abwärts schmusend zum Bauchknöpfchen hin.
Schnauzbartkitzelelektrisierung,
weil Ohrläppchenbiss mit Zungengarnierung.
Sie drängt ihn zurück, doch nun will er`s ganz.
So zeigt es sein Zeiger – ich nenne ihn Schwanz.
Zielstrebig ohne weitres Geplänkel
bestreicht damit ihre Schenkel.
Schmiegt sich fest an sie, schmust und drückt,
sie streichelt jetzt auch, das macht ihn verrückt.
Ins Schlafzimmer stürzt plötzlich Vater,
sieht ihn im Bett und macht ein Theater.
Mit riesen Satz aus dem Bette flieht,
Felix, ihr Kater, der sie so liebt.